
Wie man glühendes Licht und Sekundärlicht zeichnet
Wie zeichnet man Glüh- und Sekundärlicht: Fallstudie aus der Artwod Community

Laternen-Maerjungfrau-Zeichnung mit leuchtenden Quallen, dunkler Umgebung und sekundärer Lichtquelle
Das Kunstwerk und das Problem
Das Kunstwerk wurde von @oscartejedor für die May Mermay Kunst-Challenge eingereicht (wir veranstalten jeden Monat verschiedene Challenges, und die Gewinner erhalten Artwod Premium – lass es dir nicht entgehen!).
Der Künstler wollte eine Laterne aus leuchtenden Quallen erschaffen, was eine fantastische kreative Idee ist! Aber er hat sich gefragt: Wie sollte das Licht der Laterne die Meerjungfrau und den Rest der Zeichnung beeinflussen?
Das macht die Zeichnung zu einer guten Lichtstudie, denn ein überzeugendes Glühen entsteht nicht durch eine hellere Lichtquelle. Es geht eher darum, wie das Licht nahegelegenen Formen verändert.
Ein leuchtendes Objekt benötigt einen Lichteffekt um sich herum
Einer der häufigsten Fehler beim Zeichnen glühender Objekte ist es, das Objekt selbst hell zu machen, ohne dass die Umgebung darauf reagiert.
Ein überzeugendes Leuchten besteht aus mindestens zwei Komponenten:
Der eigentlichen Lichtquelle (Leuchtobjekt)
Das Licht, das es auf nahegelegnen Oberflächen wirft
Stell dir diese Fragen, um zu entscheiden, wie das Licht die Objekte in der Nähe beeinflusst:
Welche Teile des beleuchteten Objekts sind der leuchtenden Lichtquelle zugewandt?
Welche Flächen sollen Sekundärlicht empfangen?
Wie weit sollte die Beleuchtung reichen?
Welche Teile sollen unberührt bleiben?
Nimmt die Umgebung etwas von dem Licht auf?
Und denk dran, selbst kleine Veränderungen können dem Betrachter zeigen, dass die Laterne im selben physischen Raum existiert. Keine hellen Glanzlichter überall nötig.

Paintover einer Laternen-Meerjungfrau-Zeichnung mit Fokus auf glühendes Licht und seine Auswirkung auf die naheliegenden Bildelemente.
Wie zeichnet man einen Glüheffekt, ohne alles hell zu machen
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass ein stärkeres Leuchten mehr helle Bereiche erfordert. Aber tatsächlich ist das Gegenteil effektiver.
Wenn alles um die Lichtquelle herum hell ist, verliert das Licht seine Hierarchie. Der Betrachter kann nicht mehr zwischen der Quelle und den beleuchteten Oberflächen unterscheiden.
Erstelle stattdessen eine klare Abstufung:
Helle Quelle → beleuchtete Formen in der Nähe → schwächerer Einfluss → umgebende Dunkelheit
Wie man den Charakter mit einer sekundären Lichtquelle beleuchtet
Betrachte die Qualle als echte Lichtquelle, auch wenn sie nicht das Hauptlicht ist.
Lege fest, wo sich die Lichtquelle im Verhältnis zum Motiv befindet. Dies bestimmt, welche Oberflächen realistischerweise Licht empfangen können.
Nicht jeder Teil des Charakters sollte die gleiche Beleuchtung erhalten. Suche nach Oberflächen, die zur Lichtquelle hin ausgerichtet sind. Diese Bereiche sind die natürlichen Kandidaten für den stärksten sekundären Lichteffekt.
Farbe der Lichtquelle schrittweise hinzunehmen. Man sieht den Effekt auf:
nahegelegener Haut
Haaren
Kleidung
reflektierenden oder helleren Oberflächen
umgebenden Objekten
Der Effekt wird generell schwächer, je weiter sich die Oberfläche von der Lichtquelle entfernt. Und denke daran, die Materialien zu berücksichtigen – Haut und Metall reagieren unterschiedlich auf Licht.
Das Laternenlicht soll mit bestehenden Formen interaieren, ohne den Unterscheid zwischen Licht und Schatten zu verwischen.
was leuchtet
was beleuchtet wird
was im Schatten bleibt
Sind diese drei Kategorien klar, wirkt das Licht in der Regel überzeugender.

Bild einer Meerjungfrau mit glühender Qualle als Laterne und sekundäre Lichtquelle
Die umgebende Dunkelheit leistet wichtige Arbeit
Der Künstler beschrieb ausdrücklich, die Umgebung der leuchtenden Qualle abzudunkeln, um das Motiv hervorzuheben.
Das ist ein wichtiges Tonwertprinzip: Licht ist leichter wahrzunehmen, wenn es einen dunkleren Kontext hat.
Stell dir vor, du platzierst dasselbe leuchtende Objekt vor:
einem sehr hellen Hintergrund
einem Hintergrund mit mittlerem Tonwert
einem sehr dunklen Hintergrund
Das Objekt selbst hat sich nicht verändert, wohl aber die "wahrgenommene" Leuchtkraft.
Das Dunkel rund um die Laterne dient also nicht nur bloß ein Hintergrund. Es legt den Kontrast fest, der das Leuchten erst lesbar macht.
Vermeide es jedoch, die gesamte Umgebung gleichmäßig abzudunkeln. Die umgebenden Tonwerte sollten immer noch genügend Informationen liefern, um Raum und Form zu etablieren.
Lass das Sekundärlicht nicht zum Hauptmotiv werden
Die Sorge des Künstlers, dass die Laterne zu stark leuchten könnte, weist auf ein wichtiges Thema hin: Die Komposition.
Eine sekundäre Lichtquelle sollte die Hierarchie des Bildes unterstützen.
Frage dich :
Was sollte der Betrachter zuerst bemerken?
Frage dich anschließend:
Was sollte er an zweiter Stelle bemerken?
Sollen Quallen als sekundäre Lichtquelle dienen, können sie gut zur Geltung kommen, ohne die Meerjungfrau oder die Grundidee der Szene zu überlagern.
Du kannst dies steuern durch:
Helligkeit
Sättigung
Kontrast
Größe
Kantenschärfe
Menge des reflektierten Lichts
wie stark die Umgebung reagiert
Wenn du all dies gleichzeitig erhöhst, könnte die Lichtquelle zu stark dominieren.
Wie übt man das Zeichnen von glühendem Licht
Eine hervorragende Möglichkeit, diese Problematik zu üben, besteht darin, dieselbe einfache Szene mehrmals mit unterschiedlicher Lichtstärke zu zeichnen.
Die Lichtquelle bleibt hell, wirkt aber nur dezent auf die Umgebung
Erlaube mehr Lichtieinfall auf naheliegenden Oberflächen.
Erhöhe die Reichweite des Sekundärlichts in der Umgebung. Vergleiche dann die drei Zeichnungen. Frage dich nicht, welche die hübscheste ist. Frage dich, welche die beabsichtigte Licht-Hierarchie am besten vermittelt.
So lernst du, das Leuchten über Beziehungen zu steuern, anstatt dich auf einen einzigen hellen Effekt zu verlassen.
Ein besserer Zeichnen-Workflow für glühende Szenen
Komposition: Entscheide, wohin der Betrachter zuerst schauen soll.
Platzierung der Hauptlichtquelle: Lege das Hauptlicht fest.
Basis-Tonwerte: Beziehungen zwischen Licht und Schatten aufbauen
Platzierung der sekundären Lichtquelle: Lege fest, wo sich das leuchtende Objekt befindet.
Intensität der Quelle: Entscheide, wie hell das leuchtende Objekt sein soll.
Sekundäre Beleuchtung: Füge die Wirkung des Lichts auf nahegelegene Formen hinzu.
Lichtabfall (Falloff): Verringere den Effekt, je weiter sich die Oberflächen von der Quelle entfernen.
Farbzusammenspiel: Führe die Lichtfarbe selektiv ein.
Finaler Kontrast: Überprüfe, ob die Quelle unterscheidbar von den Oberflächen bleibt, die sie beleuchtet.
Dieser Workflow verhindert, dass das Leuchten zu einem isolierten visuellen Effekt wird, der erst zum Schluss hinzugefügt wird.
Häufige Glüh- und Lichtfehler
Nur die Lichtquelle hell machen: Das Objekt leuchtet, aber die Umgebung reagiert nicht.
Alles rund um die Quelle hell machen: Das Licht verliert seine Hierarchie.
Überall dieselbe Intensität verwenden: Eine realistisch wirkende Beleuchtung braucht ein Gefühl für Distanz und Richtung.
Oberflächenorientierung ignorieren: Licht sollte mit unterschiedlichen Formen unterschiedlich interagieren.
Übersättigung des Sekundärlichts: Eine zu starke Farbe kann mit dem eigentlichen Motiv konkurrieren.
Schatten abflachen: Eine sekundäre Beleuchtung sollte die Haupttonwertstruktur nicht aufheben.
Glühen hinzufügen, ohne die Komposition zu prüfen: Ein heller Effekt kann versehentlich zum Blickfang werden.
Feedback zur Beleuchtung in deinen Zeichnungen erhalten
Beleuchtung kann alleine schwer zu beurteilen sein. Das macht gezieltes Feedback besonders wertvoll.
Stelle eine spezifische Frage, statt zu fragen, ob das Licht gut aussieht:
Ist die Lichtquelle klar lesbar?
Wirkt das Sekundärlicht auf die richtigen Flächen?
Übertönt das Glühen das Motiv?
Hilft die umgebende Dunkelheit dabei, das Licht hervorzuheben?
Bleibt die Lichtrichtung konstant?
Eine gezielte Frage gibt anderen Künstlern etwas Konkretes zu bewerten und gibt dir eine klarere Richtung für deine nächste Zeichnung.
In der Artwod-Community können Künstler Werke teilen, ihre Problembeireche beschreiben und andere Künstler um Feedback bitten. (artwod.com)
FAQ
Mache das Objekt selbst am hellsten und zeige, wie sein Licht nahegelegene Oberflächen beeinflusst. Reduziere die Beleuchtung, je weiter sie sich von der Quelle entfernt.
Wie lasse ich Leuchten in einer Zeichnung realistisch wirken?
Betrachte Glühen als Licht und nicht nur als hellen Effekt. Nahegelegene Formen sollten entsprechend ihrer Position, Ausrichtung und Entfernung von der Quelle auf das Licht reagieren.
Bestimme zuerst die primäre Beleuchtung und bestimme dann, welche Oberflächen der sekundären Quelle zugewandt sind. Erhöhe kontrolliert die Lichtstärke, ohne die bestehende Wertestruktur abzuflachen
Die Umgebung reagiert möglicherweise nicht auf Licht. Durch dezentes Reflexions- oder Sekundärlicht auf nahegelegenen Oberflächen lässt sich die Lichtquelle besser in die Szene integrieren.
Steuere Helligkeit, Sättigung, Kontrast und die Menge der umgebenden Beleuchtung. Eine sekundäre Lichtquelle sollte eine klare Rolle in der Bildhierarchie haben, anstatt jeden nahegelegenen Bereich gleich hell zu machen.
Ja. Ein anderer Künstler kann beurteilen, ob Lichtrichtung, Tonwertverhältnisse und sekundäre Beleuchtung visuell überzeugen, auch wenn sie nach mehrmaligem Betrachten der eigenen Zeichnung schwer zu beurteilen sind.
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