
Wie man Kleidungsfalten zeichnet: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Anfänger
Wie man Kleidungsfalten und Stoffe zeichnet
Kompression: Falten durch Bündeln
Die erste Faltenart, die jeder Künstler verstehen muss, sind Kompressionsfalten. Diese entstehen, wenn Stoff in sich selbst zusammengeschoben wird – am Ellbogen eines angewinkelten Arms, an der Taille, wenn sich jemand hinsetzt, oder in der Kniekehle. Überall dort, wo der Körper gestaucht wird, kann der Stoff nirgendwohin ausweichen und bauscht sich deshalb auf.
Kompressionsfalten sind meist kürzer, dicker und häufen sich um das Gelenk oder den Druckpunkt, an dem die Kompression entsteht. Denk an die Innenseite eines gebeugten Ellbogens – der Stoff schichtet sich direkt in der Beuge zu übereinanderliegenden Falten auf. Wenn du diese Anordnung richtig hinbekommst, wirkt die Falte bereits korrekt, noch bevor du sie überhaupt ausarbeitest.
Dies ist einer der wichtigsten Zeichentipps für Anfänger, wenn es um Stoffe geht.

5 Skizzen vo komprimiertem Stoff, digital 2D
Spannung: Falten durch Ziehen
Der zweite Typ sind Zugfalten, und sie sind das Gegenteil von Kompression. Zugfalten entstehen, wenn Stoff zwischen zwei Punkten gedehnt wird – ein Umhang, der im Wind weht, ein Hemd, das fest über die Schultern gespannt ist, oder eine Hose, die sich über ein angehobenes Knie zieht.
Zugfalten sind gewöhnlich länger, glatter und verlaufen diagonaler als Kompressionsfalten. Sie bauschen sich nicht auf – sie dehnen sich. Und sie verlaufen immer zwischen zwei Ankerpunkten. Wenn du identifizieren kannst, wo der Stoff verankert ist (zum Beispiel an der Schulter und der gegenüberliegenden Hüfte), wird die Zugfalte genau zwischen diesen beiden Punkten verlaufen.
In vielen Änfängerzeichnungen wird das falsch gemacht, weil die Künstler Falten überall gleichmäßig verteilen. Aber Stoff wirft nur dort Falten, wo etwas auf ihn einwirkt – entweder durch Stauchen oder Ziehen. Den Unterschied zu verstehen, ist ein riesiger Teil des Lernprozesses, wenn man lernen möchte, wie man Stoffe richtig zeichnet.

3 Skizzen von Hängefalten - digital 2d
Zeichne Falten auf die Form
An diesem Punkt bleiben die meisten Künstler stecken. Sie zeichnen erst die Kleidung und versuchen dann, den Körper darunter passend zu machen. Das ist genau verkehrt herum.
Der Körper kommt zuerst. Immer. Bevor du auch nur eine einzige Falte zeichnest, musst du wissen, was unter dem Stoff passiert – die Schultern, die Brust, die Hüften, das gebeugte Knie, der erhobene Arm. Kleidung existiert nicht für sich allein. Sie legt sich um eine dreidimensionale Form, und jede Falte, die du zeichnest, ist eine Reaktion auf die darunterliegende Form.
Konstruiere also zuerst die Figur. Skizziere den Körper in einfachen Formen – ein Zylinder für den Torso, Zylinder für Arme und Beine, eine Kugel für den Kopf. Danach zeichnest du die Kleidung auf dieses Gerüst und lässt den Stoff den Konturen der darunterliegenden Formen folgen. Falten entstehen dort, wo sich der Stoff um eine Schulter legt, von einer Hüfte herabfällt oder sich über einen erhobenen Arm spannt – alles Reaktionen auf die Körperform darunter.
Wenn du Falten über der Form zeichnest, anstatt sie als Ersatz für diese zu nutzen, macht es plötzlich „Klick“. Die Kleidung schwebt nicht mehr. Sie wird Teil des Körpers. Und auf einmal wirkt Stoff auch wie Stoff und nicht wie Linien auf Papier.
Dies ist eine der wichtigsten Umstellungen für jeden Anfänger, der sein Level steigern möchte. Erst der Körper, dann die Kleidung, zum Schluss die Details. Wenn du mehr grundlegendes Zeichentraining für Faltenwurf suchst, probier unseren Falten-Lernpfad aus!

rechts 2D-Digitalskizze eines Ärmels, links perspektivisch gebeugter Arm



